Critical Mass Berlin am 30. Juli 2021


We aren't blocking traffic, we are traffic!

Critical Mass im Juli 2021 am Mariannenplatz

Es ist Freitag, kurz vor 20 Uhr und die Critical Mass steht wieder an. Die Ereignisse vom letzten Monat ließen Spannung erwarten, als die Berliner Polizei die monatliche Fahrradtour verhindern wollte, indem sie ein angemeldete Fahrraddemo erzwungen hat. Wie würde sie diesmal reagieren?

Als ich um 20 Uhr auf den Mariannenplatz fuhr, ist dieser schon voll mit hunderten Radfahrer*innen. Die Fahrbahn am Brunnen war nur noch kurze Zeit für den Autoverkehr passierbar, bis dann kurze Zeit später für diesen gar nichts mehr ging. Ich fragte ein paar Umstehende ob es diesmal wieder eine Critical Mass gebe oder wieder eine Demo angmeldet wurde. Niemand wusste irgendwas, einige waren auch zum ersten Mal dabei, sagten sie. Alle warteten gespannt darauf, wann und was passieren würde. Ich fragte schließlich am Lautsprecherwagen der Polizei nach, worauf diese mir antworteten, dass dies nur eine Fahrradfahrt durch die Stadt sei. Also war es diesmal wieder die Linie, wie in den letzten Jahren, als die Berliner Polizei die Critical Mass nur begleitete.

Irgendwann kurze Zeit später, kam dann schließlich die erste größere Bewegung auf. Massenhaftes Fahrradklingeln ertönte und es sah so aus, dass sich die Masse langsam Richtung Manteuffelstraße in Bewegung setzte. Ich war relativ weit am anderen Ende des Platzes und es sollte noch dauern, bis auch wir losfahren konnten. Ich schätze diesmal war es irgendetwas zwischen 20 und 30 Minuten. Langsam fuhren wir weiter in Richtung Kottbusser Tor und dann weiter auf die Skalitzer Straße. Die Autos stauten sich zurück und es wurde viel gehupt.

Die Fahrt wurde dann auch ziehmlich flott, die Seitenstraßen wurden wieder von vielen Radfahrer*innen gesichert (Korken). Dort konnte ich dann auch die ersten austickenden Autofahrer*innen ausmachen. Eine Radfahrer*in wurde auch körperlich angegangen. Andere Radfahrer*innen waren aber aber zur Stelle zum schlichten. Auf der Gitschiner Straße war ich mittlerweile ziehmlich weit vorne und ich fand es nicht so gut, dass sich die Critical Mass zunehmend ausdünnte. Vor allem an den Kreuzungen, wo der Autoverkehr warten musste, waren viele Aggro-Autofahrer*innen, die sich mit den Korker*innen stritten. Ich hab das bisher nicht so Aggro erlebt wie diesesmal. Vielleicht auch gerade weil, die Masse sich zunehmend zersplitterte.

Später am Halleschen Ufer wurde dann auch ein Fahrrad durch Aggroautofahrer*innen demoliert und Radfahrer*innen angegangen. Ich habe das nicht selbt gesehen und bin erst kurz danach dazugestoßen. Mehrere Radfahrer*innen stritten sich dort mit Autofahrer*innen. Die Autofahrer*innen wollten sich schließlich auch vom Unfallort entfernen, wurde aber durch Radfahrer*innen daran gehindert. Gut dass es Zeug*innen für den Vorfall gab, die auch vor Ort verblieben. Leute, das ist total wichtig, wenn sowas passiert. Kümmert euch als mit als erstes um Zeug*innen, nicht dass ihr später plötzlich alleine dasteht und alle gegen euch sind.

Nach und nach mit großen Lücken, kam dann der Rest der Critical Mass vorbei. Zwischendrin immer auch größere Pulks. Dort war es wahrscheinlich am angenehmsten zu fahren. Es dauerte bestimmt 15-20 Minuten bis dann auch das Ende der CM ankam. Mit einem Mannschaftswagen und anderen Polizeifahrzeugen. So konnte schließlich der Vorfall angezeigt werden.

Ich hab dann leider bald darauf die CM auch schon verloren. Fazit: Es hat Spaß gemacht, aber die Autofahrer*innen waren leider sowas von Aggro. Danke insbesonders an die Leute mit Soundsystems und die vielen Korkenden, die die CM noch sicherer machen <3.

Auf twitter habe ich noch einiges Statements gelesen, dass auch andere überrascht von der Aggressivität gewesen seien. Hier hat jemand ein Bild vom Routenverlauf bei Twitter gepostet.


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